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<title>aufgelesen.org</title>
<link>http://aufgelesen.org</link>
<description>Buchrezensionen</description>
<language>de-DE</language>
<copyright>Alexander Schau</copyright>
<lastBuildDate>Tue, 02 Aug 2011 12:31:00 CEST</lastBuildDate><item><title>aufgelesen.org: "Furchtbar lieb" von Helen FitzGerald</title><pubDate>Tue, 02 Aug 2011 12:31:00 0</pubDate><description>Krissie Donald ist das, was sie selbst als gescheiterte Existenz bezeichnen würde: sie ist Mutter wider Willen und kommt, auch wenn sie selbst beruflich als Sozialarbeiterin verwahrloste Kinder vor ihren Eltern schützt, nicht im Geringsten mit der eigenen Verantwortung klar. Sie wandelt von einer Bettgeschichte zur nächsten, ist nicht fähig, sich dauerhaft zu binden, sucht vielleicht, findet aber nichts, was dem Glück auch nur annähernd ähnelt. Auch ihr Kind entstand in einer drogengeschwängerten Nacht im Urlaub auf Teneriffa, ist vaterlos und überfordert sie. Um auszuspannen und den Kopf wieder frei zu bekommen fährt Krissie mit ihrer besten Freundin Sarah und deren Ehemann Kyle in die schottischen Highlands.
Sarah wiederum versucht seit Jahren erfolglos, von Kyle geschwängert zu werden. Ihre Ehe ist dementsprechend seit langem auf eine Zerreißprobe gestellt, deren Scheitern sich lautstark ankündigt. Schon auf der ersten Seite erfährt der Leser, dass Krissie im Laufe dieses Ausflugs mit Kyle, dem Mann ihrer besten Freundin Sex haben und ihre beste Freundin umbringen wird.
Wenn das kein Grund ist, weiterzulesen. Wenn das kein Grund ist, 200 Seiten darauf zu warten, dass endlich das passiert, von dem man sowieso schon weiß, dass es passiert. Wenn das kein Grund ist, einer wirr erzählten Handlung voll von abgedroschenen Teenie-, später Thrillerklischees zu folgen und dauerhaft nach der Spannung zu suchen, die auf der ersten Seite so plump aufgebaut wurde. Stetig schwankend zwischen Slapstick und Pornographie wird immer wieder versucht, mitten in der derben, witzelnden Sprache das Thema Kindesmissbrauch zu behandeln, was ebenso derbe misslingt. Von der chaotischen Antiheldin über den frustrierten Ehemann, die nicht schwanger werden wollende, in Therapie befindliche, durchdrehende Freundin bis hin zum netten, kiffenden Aussteigertypen, dem heimlichen Helden, der für seine Angebetete alles tut und der von ihr widerum nicht beachtet wird, wird hier jedes Klischee bedient. Wenn dann die verdrogte, saufende Sozialarbeiterin ihren Sohn, den sie vorher für eine wilde Nacht im Zelt verleugnet hat, den sie schreiend in der Wohnung allein ließ, den sie monatelang nicht einmal mit einem Lächeln bedacht oder mit mütterlicher Wärme behandelt hat, am Ende plötzlich doch wiederhaben will, ist die Absurdität perfekt, wird jedoch formschön verpackt und mit dem Etikett \"Selbstfindung\" versehen. Mögliche Sympathie mit der Protagonistin, die sich den ganzen Roman über schon nicht einstellen wollte, löst sich vollends in Verwirrung auf und reiht sich ein ins Wirrwarr der nicht nachvollziehbar handelnden Charaktere, gleich neben dem \"Bitte, hier ist meine Pistole, erschieß mich doch, ach tust Du ja doch nicht, aber ich bin so ein schlechter Mensch\"-Pädophilen, dessen Eskapaden nah am Voyeurismus vorbeischrammen. Spätestens das kann man auch mit dem überall anklingenden britischen Humor nicht mehr entschuldigen.</description><link>http://aufgelesen.org/bibliothek.php?buch=205</link></item><item><title>aufgelesen.org: "Das Buch der verbrannten Bücher" von Volker Weidermann</title><pubDate>Sat, 16 Jul 2011 15:09:10 0</pubDate><description>Ausnahmsweise mal ein Sachbuch, denn dieses Buch ist wichtig. Es vereint in sich die Erinnerung an all jene, deren Namen im Mai 1933 auf der Liste der Bücherverbrennung standen, deren Werke in vielen großen Städten in Deutschland aus den Universitäts- und Stadtbibliotheken genommen und auf den Scheiterhaufen geworfen wurden, weil sie zu freiherzig, zu links, zu pazifistisch oder einfach zu ehrlich waren. 
Einige der Namen kennt man noch, einige haben es geschafft, auch während des Krieges und danach bekannt zu bleiben - Namen wie Erich Maria Remarque, Heinrich Mann, Joachim Ringelnatz, Bertolt Brecht oder Erich Kästner sind noch heute wohl jedem in Begriff. Aber neben jenen, die das Exil oder die Innere Emigration überstanden, gab es eine umso größere Anzahl jener, deren Werke mit der Verbrennung an jedem 10. Mai in Vergessenheit gerieten und dort blieben. Die ins Exil gedrängt und dort vergessen wurden, die weiterschrieben und danach nicht mehr publizieren konnten, weil sich kein Verlag der vergessenen Schreiber mehr annahm. Die den Krieg nicht überlebten. Deren Werke heute noch immer kaum jemandem etwas sagen werden. 
Volker Weidermann erinnert an all jene. Dem Buch liegt die komplette Liste von 1933 zugrunde und einen Namen nach dem anderen geht er durch, verfolgt das Schicksal der so unterschiedlichen Männer und Frauen, ihre Lebensgeschichten, die 1933 allesamt einen Bruch mit dem Gewesenen aufweisen, die sich anpassten, die widerständig blieben, die gingen oder starben. Viele tragische Schicksale sind hier vereint, auch die Geschichten vieler Anpasser, die hofften, im Dritten Reich durch Annäherung weiter ihrem Brotberuf des Schriftstellers nachgehen zu können. Und ein Großteil sind Geschichten aus dem Exil, aus aufgezwungener Heimatlosigkeit, an der viele der Schreiber zugrunde gingen. 
Dieses Buch setzt dem Vergessen, das nach wie vor herrscht, dem traurigen Sieg, den die Nazis durch die Bücherverbrennung noch bis heute im kollektiven Gedächtnis hinterlassen haben, ein Ende. Auch wenn es, wie im Vorwort schon angekündigt, keine literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Werken der Autoren ist und der Ton manchmal ein wenig salopp daherkommt (so muss man vielleicht nicht unbedingt von \"Hölderin-Nachfolge in super-heilig\" schreiben oder mit \"allerdings eher so mittellustig\" bewerten), ist es größtenteils eine sehr ernsthafte, gute und genaue Zusammenstellung, die den Autor mit Sicherheit sehr viel Zeit und Arbeit gekostet hat, denn viele der Werke, die damals verbrannt wurden, wurden danach nicht mehr neu verlegt und sind dementsprechend schwierig zu beschaffen. Hier bemüht sich jemand um Vollständigkeit. Weidermann zeichnet die Vorgeschichte der Bücherverbrennung nach, zählt auf, welche Werke es waren, die dazu geführt haben, auf dem Bücherscheiterhaufen zu landen, führt gute und schlechte Literatur der Autoren an und auch Werke, die nach der Bücherverbrennung entstanden - sei es im Exil, in Anbiederung an das neue Regime oder nach dem Ende des Krieges. Ein sehr spannendes Buch für all jene, die sich mit der neueren deutschen Literaturgeschichte beschäftigen wollen. Ein Buch, das dabei hilft, Erinnerungslücken die nicht sein dürfen, zu schließen.</description><link>http://aufgelesen.org/bibliothek.php?buch=204</link></item><item><title>aufgelesen.org: "Hundert Jahre Einsamkeit" von Gabriel García Márquez</title><pubDate>Wed, 29 Jun 2011 02:53:27 0</pubDate><description>Manchmal liest man ein Buch, das nimmt einen mit. Man saugt es auf, kuschelt sich darin ein, nimmt es mit ins Bett und steht deswegen später auf. Ein neues kleines Universum wird dem inneren Bestand an Universen hinzugefügt, man wird reicher, man wächst. Hebt man die Augen nach der letzten Zeile, ist alles umgestellt, entfremdet. Wo bin ich gewesen? Was ist passiert? Manchmal liest man so ein Buch ...    

Es ist ein ganz erstaunlicher, geheimnisvoller und faszinierender Roman, den uns der aus Kolumbien stammende Schriftsteller García Márquez (*1928), also wieder einer aus den vielgerühmten Reihen südamerikanischer Schriftsteller der Gegenwart, im Jahre 1967 vorgelegt hat. Liest man ihn mit Lust an der Allegorie und am Gleichnishaften, so entdeckt man eine beeindruckende Geschichtstiefe, eine selten erreichte historische Bedeutungsdimension, welche die (Patho-)Genese eines ganzen Kontinents zu umfassen imstande ist.
Das Werk mit dem wunderschönen Titel ist ein Familienepos über ganze sechs Generationen, welches dem Leser die kostbare Möglichkeit bietet zu verstehen, was das ist: Geschichte.
Wir erleben Aufstieg und Fall des Bundia-Clans in Krieg und Frieden, Reichtum und Armut, Geburt und Sterben. Und immer dann, wenn man glaubt, nun sei nach den zahllosen Wirren ein stabiler Zustand erreicht, eine Art Geschichtsende, wälzt sich alles von innen oder außen her erneut um. Dieses »Innen« nun sind die Menschen und ihre Seelenzustände: Ängste, Träume, Wünsche und Ideale - kurz: das volle Set der menschlichen Emotionen und Ideen. Das »Außen« enthält die groben Entwicklungszüge des lateinamerikanischen Kontinents des letzten halben Jahrtausends von der Entdeckung und Kolonialisierung über Bürgerkriege, Industrialisierung, den Imperialismus und Neoimperialismus bis hin zur post-heroischen Jetztzeit. Nahezu den ganzen Roman, viele Jahrzehnte Romanzeit über, wird ausschließlich das Dorf Macondo, welches von den Ahnherren der Familie Bundia auf der Flucht vor der eigenen Geschichte gegründet wird, wie mit einer starren Kamera fixiert. Immer wieder bricht die Flut der Geschichte aus der restlichen Welt über Macondo herein und hält Menschen wie Dinge in Bewegung. Man sollte meinen, die Lektüre eines solchen Großwerkes - welches auf mehreren Ebenen gleichzeitig spielt, sich eines reichen Figurenensembles bedient und zudem noch phantastische Historie ist - müsse eine sehr schwere sein. Das Wunderbare aber ist die fast unerträgliche Leichtigkeit, mit der sich all dies auf einmal vor unseren Augen vollzieht. »Vor unseren Augen« impliziert schon die hohe Plastizität, die Lebendigkeit, den Bilderreichtum, welcher diesem Roman zu eigen ist und durch den er uns Leser ganz in seinen Bann zu ziehen vermag.

Das Genre »Magischer Realismus«, in welchem der Text abgefasst ist und als dessen Meister sich Márquez rühmen kann, flicht in eine realistisch erzählte Geschichte phantastische, übernatürliche Elemente ein, die immer wieder verstören, befremden - und uns zu Deutungen dieser Metaphorik zwingen. Wenn es möglich ist, dass ein Mädchen sich von Erde ernährt oder eine ganze Dorfgesellschaft über einen Zeitraum vieler Monate des Schlafes entbehren muss, wenn eine Frau von solcher Schönheit sein kann, dass diverse Männer bei ihrem bloßen Anblick dem Wahnsinn verfallen, schließlich sterben und die Schöne wie eine halbmythische Gestalt zum Himmel auffährt ohne dass man sich als Leser kopfschüttelnd an derlei Albernheiten stört - wenn all das möglich ist, dann haben wir es mit einem brillanten Erzähler zu tun, der sich zudem noch in den Räumen unserer fast endlosen Vorstellungskraft ortskundig heißen kann. In seinen stärksten Momenten schafft es dieser große, dieser tiefe und einsichtsreiche Roman, uns genau an die Grenze des Denk- und Vorstellbaren zu führen und lässt uns auf diese Weise viele Dinge über den Lauf der Welt und die Stellung des Menschen in ihr erkennen.

»Hundert Jahre Einsamkeit« ist ein veritables Meisterwerk des 20. Jahrhunderts. Sein Schöpfer zählt zu den Großen seines Fachs und erhielt daher auch 1982 die größtmögliche Auszeichnung, den Literaturnobelpreis für »seine Romane und Erzählungen, in denen sich das Phantastische und das Realistische in einer vielfacettierten Welt der Dichtung vereinen, die Leben und Konflikt eines Kontinents widerspiegelnn«.
Jedem, der gerne den Freuden des Lesens als einer Hinwendung zur Welt, als einer Erfahrung deutlicherer Wirklichkeit fröhnt, dem sei dieser Roman empfohlen, denn dieses Buch fasst jeden an.

[Rezension von Richard Prußas]</description><link>http://aufgelesen.org/bibliothek.php?buch=203</link></item><item><title>aufgelesen.org: "Accabadora" von Michela Murgia</title><pubDate>Wed, 01 Jun 2011 18:51:50 0</pubDate><description>Und sie kümmerte sich rührend um das Kind: Hatte ihre Mutter sie bis dahin höchstens als ein weiteres Maul betrachtet, das es zu stopfen gilt, so gab Bonaria Maria nicht nur ein neues Zuhause, sondern auch eine neue und bessere Kindheit. Im Haus der Schneiderin drehte sich plötzlich alles um Maria, sie wurde beachtet und umsorgt, und es gab kaum etwas, das Bonaria ihr verweigert hätte.
Erst sehr viel später sollte Maria langsam erfahren, dass die Frau, die ihr eine neue Mutter geworden war, auch eine dunkle Seite hatte. Maria hatte zwar schon früh etwas gespürt, aber nie etwas gewusst. Bonaria hatte ihr nie von ihren nächtlichen Ausflügen berichtet, und Maria ahnte, dass sie auch nicht danach fragen durfte.

[quote]Als sie mit dem Alten allein war, musterte sie ihn. Die weit aufgerissenen Augen des Tziu Jusepi Vargiu waren leblos, wie tot. Bonaria nahm seine fleischlose Hand und tastete vorsichtig den Puls und seinen Unterarm ab, und irgendetwas an dieser Berührung ließ ihn zusammenfahren. Ein heiserer Ton entfuhr seiner Kehle.
»Am Ende haben sie dich also gerufen ...«[/quote]

Bonaria ist so etwas wie die Totenfrau des Dorfes, seine Accabadora. Nachts besucht sie die Sterbenden an ihren Betten und hilft ihnen über die Schwelle zum Tod hinweg. Jeder im Dorf weiß von Bonarias Rolle, nur Maria nicht. Und als ein Freund der Familie durch einen Unfall so schwer verletzt wird, dass ein Weiterleben für ihn zur Zumutung zu werden droht, bittet auch er die Accabadora darum, ihm das Leben zu nehmen.
Maria kann und will das Tun ihrer Ziehmutter nicht verstehen. In ihren Augen ist sie eine Mörderin, und so verlässt sie das Dorf. Sie geht weg von dieser Frau, der sie viele Jahre lang wie keinem anderen Menschen vertraut und deren Geheimnis sie so schrecklich enttäuscht hat.

[quote]Es gibt Gedanken, die, wie die Augen der Eule, das Tageslicht scheuen.[/quote]

Wunderschön ist dieser Roman, der von der großen Graufläche zwischen Leben und Tod erzählt und einer Ethik, die nicht einfach so rational zu begrenzen ist. Seine Sprache ist leicht und unbefangen, sie erzählt soviel und lässt gleichzeitig vieles im Dunkeln. Da bilden sich immer wieder neue Fragen im Kopf, die aber bis zum Schluss unausgesprochen bleiben. Michela Murgia schafft herrliche Stimmungen, mal wunderbar idylisch, mal fürchterlich düster. Diese Gegensätze tragen ganz stark zu der Kraft dieses Romans bei, und ihr gelingt eben auch das Kunststück etwas zu erzählen, ohne davon zu schreiben.
Die Geschichte hat ihre Längen, mir persönlich hat die »erwachsene« Maria, nachdem sie das Dorf verlassen hat, nicht gefallen. Dieser Episode hätte es nicht unbedingt bedurft, da tritt die Geschichte dann etwas auf der Stelle und droht zu zerlaufen; aber Maria kehrt schließlich noch einmal zurück, als Bonaria im Sterben liegt, und diese Rückkehr ist wieder so selbstlos und voller Hingabe, so einfühlend geschrieben, dass man dann am Ende fast zu früh auf der letzten Seite angelangt ist. Weil man noch so gern immer weiter gelesen hätte.</description><link>http://aufgelesen.org/bibliothek.php?buch=202</link></item><item><title>aufgelesen.org: "Britannica & ich" von A. J. Jacobs</title><pubDate>Wed, 11 May 2011 23:37:38 0</pubDate><description>Der Untertitel von A. J. Jacobs\' Buch, das irgendwo zwischen Roman und Sachbuch schwankt, weckt großes Interesse: »Von einem, der auszog, der klügste Mensch der Welt zu werden« heißt es da. Aber wie will der Mann das schaffen? Diese Frage ist leicht beantwortet; sein großes Vorhaben ist es, die [i]Encyclopaedia Britannica[/i], DAS amerikanische Standardlexikon von A bis Z zu lesen. Das Wissen der Welt will er erobern. Und so zählt er zunächst auf, was das genau bedeutet: »33 Tausend Seiten, 44 Millionen Wörter, 10 Milliarden Jahre Geschichte«. Mit weniger scheint sich A. J. Jacobs nicht zufrieden zu geben. 
Der Grund für dieses Unterfangen ist schnell erklärt: Jacobs hat Angst zu verdummen. Er ist Redakteur beim [i]Esquire[/i] und beschäftigt sich tagtäglich eher mit dem oberflächlichen Popbusiness als mit tiefgreifender Problembewältigung. Um das zu ändern und etwas zu tun, worauf er stolz sein kann, greift er zur [i]Encyclopaedia Britannica[/i]. Aber auch um sich und seinem Vater zu beweisen, dass er etwas zu Ende führen kann, fängt er das Lesen an. Sein Vater hatte den Versuch bereits vor Jahren unternommen, scheiterte jedoch schon beim Buchstaben B.
Jacobs aber will es schaffen. Das ganze Lexikon, von A bis Z.

So beginnt er und wird schlauer, jeden Tag ein bisschen. Aber nicht nur er gewinnt an Wissen, auch den Leser lässt er daran teilhaben. So erfährt man Wissenswertes über verschiedene Autoren, Kurioses aus der Tierwelt und Informatives aus der Physik. Jacobs bietet einen bunten Querschnitt an Fakten, die er stets mit persönlichen Anekdoten würzt. 

Im weiteren Verlauf des Romans versucht Jacobs bei »Wer wird Millionär« teilzunehmen. Und er schafft es, soviel sei verraten. Die Million aber, die bekommt er mit all seinem angehäuften Wissen nicht.
Er macht sich auf die Suche nach anderen Menschen, die die [i]Britannica[/i] komplett gelesen haben. Und von der Redaktion des Lexikons wird er schließlich eingeladen, dort für einen Tag als Redakteur zu arbeiten.

Informationen, die man nicht braucht, die einen aber im Moment des Lesens verblüffen, bekommt man in diesem Roman in Hülle und Fülle. Das Lesen wird zu einem kurzweiligen Vergnügen und man verfolgt zusammen mit Jacobs die Höhen und Tiefen des Lexikonlesens. Es ist in keiner Minute langweilig, sondern ein kurzweiliges Lesevergnügen, aus dem man vielleicht ein klein wenig schlauer hervorgeht.
A. J. Jacobs schafft das Unglaubliche, er liest 33.000 Seiten und vermisst am Ende diesen schweren Brocken schrecklich. Ob er schlauer geworden ist? Das kann wohl nur der Autor selbst beantworten. Der Leser wird vermutlich nicht viel Wissen anhäufen, sich aber bestens unterhalten fühlen.

[Rezension von Andrea Zschocher]</description><link>http://aufgelesen.org/bibliothek.php?buch=201</link></item><item><title>aufgelesen.org: "Winterreise" von Amélie Nothomb</title><pubDate>Wed, 11 May 2011 23:11:07 0</pubDate><description>Frau Nothombs Bücher sind immer wieder aufs Neue so etwas wie eine kleine Offenbarung. Sie sind meistens nicht allzu dick, aber die Ideen, die in ihnen stecken, hauen mich oft schlicht und einfach vom Stuhl.

Diesmal folgende Geschichte: Ein Mann wird aus Liebe zum Terroristen, er will ein Flugzeug entführen, will sich und hunderte unschuldiger Menschen ins Jenseits befördern. Grund dafür: Eine Frau, die er unter nicht ganz alltäglichen Umständen kennen gelernt hat.
Diese Frau – Astrolabe – wohnt mit einer Freundin – Aliénor – zusammen in einer schäbigen und eiskalten Pariser Wohnung. Aliénor leidet unter einer starken Form von Autismus und ist mehr Pflegefall als alles andere. Sie ist aber trotzdessen eine äußerst talentierte Schriftstellerin, und ihre Freundin Astrolabe hat es sich sozusagen zur Lebensaufgabe gemacht, sich für die kranke Mitbewohnerin vollends aufzuopfern. Sie lässt sich deren Geschichten diktieren, sie ist gleichzeitig ihre Managerin und ihre Pflegerin. 

[quote]»Ich höre unglaubliche Geräusche«, murmelte sie erregt.
»Das ist die Stimme der Sehnsucht.«
»Deine Sehnsucht hört sich an wie eine Spülmaschine.«
»Ja, sie ist multifunktional.«[/quote]
Für einen Mann ist in dieser Lebensgemeinschaft kein Platz. Astrolabe lässt sich zwar auf Zoile und dessen Annäherungsversuche ein, stellt aber von Anfang an eines klar: Es gibt kein »wir beide allein«, bei jedem ihrer Treffen ist die Anwesenheit der »Irren« unumgänglich …

[quote]Ich glaube nicht, dass mich die Mittelmäßigkeit eingeholt hat. Dank einiger Warnsignale ist es mir stets gelungen, in dieser Hinsicht wachsam zu bleiben. Am wirksamsten ist Folgendes: Solange man sich nicht über die Niederlage eines anderen freut, kann man noch in den Spiegel schauen. Sich an fremder Mittelmäßigkeit zu ergötzen ist der Gipfel der Mittelmäßigkeit.[/quote]
Amélie Nothomb besitzt die beneidenswerte Fähigkeit, auf kleinstem Raum ganz viel zu erzählen. Sie braucht dazu nicht viele Worte, weil das, was sie sagt, einfach immer so schön direkt ist. Auch wenn sie oft mit Details geizt und vieles nur winzig kurz anreißt, verschweigt sie nie etwas. Als Leser hat man das Gefühl, alles zu erfahren, was wichtig ist.
»Winterreise« jedenfalls ist wieder so ein ganz typisches Nothomb-Buch: Kurzweilig, abstoßend und herrlich skurril. Vollbeladen mit Liebe und Gefühlen. Pathetisch. Schmissig geschrieben. Und vor allem bitterböse. </description><link>http://aufgelesen.org/bibliothek.php?buch=200</link></item><item><title>aufgelesen.org: "Der Verfolger" von Julio Cortázar</title><pubDate>Wed, 27 Apr 2011 13:34:23 0</pubDate><description>Es gibt da ja diese Redensart, dass Genie und Wahnsinn dicht beieinander lägen. Und in dem, was Julio Cortázar in diesem kleinen Büchlein beschreibt, scheint sich diese Aussage auch vollends zu bewahrheiten: Bruno, Jazzkritiker und enger Vertrauter Johnny Carters, schildert Szenen und Eindrücke aus dessen Leben, das sich zwischen musikalischer Genialität und exzessivem Selbstzerstörungsdrang nicht zu entscheiden scheinen kann. Das Publikum liebt Johnny für seine großartigen Jazzinterpretationen, für seinen ganz eigenen Stil und seine absolute Hingabe zur Musik. Und auch seine Freunde – darunter natürlich auch Bruno – und die Fachwelt sind voll des Lobes, voll der Anerkennung für dieses Ausnahmetalent.
Aber dieser Ruhm hat auch seine Schattenseiten: Da sind die Drogen, von denen Johnny einfach nicht die Finger lassen kann, die ihn vor jedem Auftritt erst richtig zu öffnen scheinen für die Musik. Da ist dieser Drang nach sexuellen Ausschweifungen. Und schließlich ist da auch noch sein eigenes Wesen, seine immer wieder hervorbrechende Schizophrenie, die jede zwischenmenschliche Beziehung unendlich schwierig macht. Landläufig würde man sagen: Er steht sich selbst im Weg. - Und Bruno, als sein engster Vertrauter, scheint der einzige zu sein, der das Ausmaß dieser Selbstsabotage in all ihrer Zerstörungskraft überschaut. Er ist der einzige, der Zugang zu Johnny findet, und gleichzeitig ist er auch derjenige, dem Johnny die meisten Rätsel aufzugeben scheint.

[quote]In Johnny gibt es keine Spur von Gräße, ich weiß das, seit ich ihn kenne, seit ich ihn zu bewundern begann.[/quote]

Wer will, kann in der Geschichte sicher einige Parallelen zum Leben des großen Saxophonisten Jimmy Carter entdecken; er stand der Figur des Johnny Pate und diente Cortázar als Inspiration. Muss man aber nicht zwingend, denn das Buch ist vielmehr auch eine Variation der Geschichte und etwas Eigenes und erst recht keine knochentrockene Biografie.
Was die Erzählung vor allem lesenswert macht, sind der Stil und die Lust Brunos/Cortázars am Erzählen: Die Liebe zur Musik, die so häufig zwischen den Zeilen hindurchschimmert. Das Verständnis für seine Umwelt, die Ehrlichkeit sich selbst gegenüber - und die Hingabe als Freund, der  Johnny nicht nur als die öffentliche Ausnahmeerscheinung wahrnimmt, sondern ihn immer auch als Mensch sieht und kennt, mit all seinen Fehlern.</description><link>http://aufgelesen.org/bibliothek.php?buch=199</link></item><item><title>aufgelesen.org: "Liebesnacht" von Urs Widmer</title><pubDate>Fri, 15 Apr 2011 08:23:29 0</pubDate><description>Egon, ein Freund des Ich-Erzählers kommt für eine Nacht zu Besuch und in dieser Nacht wird nicht geschlafen. Stattdessen versammeln sich die Bewohner des Hauses und unterhalten sich, lange und innig. Egon, ein Weltenbummler, der in jedem Land eine Geliebte und ein dazugehöriges Kind zu haben scheint, gibt den Anstoß. Er berichtet aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt und umkreist dabei hauptsächlich die Themen Frauen, Liebe und Eifersucht. Nach und nach stimmen auch die anderen Anwesenden in diese Berichte ein und erzählen von jenen Begebenheiten und Liebesgeschichten, die sie in ihrem Leben am meisten bewegt haben, seien es exotische Erlebnisse aus dem südamerikanischen Urwald oder Berichte von Liebhabern, deren Geschichte bis dahin tief im Inneren des Erzählenden ruhte. 

[quote]Nun begann ich doch zu erzählen, wie ich meine Frau kennengelernt hatte, obwohl sie, anders als die Frauen der anderen Berichte, ja dasaß in Fleisch und Blut und gleich auch rot wurde, nicht aus Scham und nicht aus Eifersucht, sondern weil sie wie ich fühlte, wie lange das alles zurücklag, so fern, dass wir manchmal denken, ganz andere haben sich einst zusammengetan und sind, schwer zu sagen wie, die geworden, die wir heute sind.[/quote]

Ab und an durch Gedankeneinschübe des Ich-Erzählers unterbrochen, besteht der größte Teil dieses Buches aus erlebter Rede. Die verschiedenen Sprecher auseinander zu halten fällt dabei manchmal schwer. Zwar ist innerhalb des Leseflusses immer klar, wer gerade der Erzählende ist, doch in der Art zu sprechen, Sätze zu formen, sind sie sich allesamt, ob Mann oder Frau, ob vielgereister Egon oder schweigsamer Musiker-Mitbewohner, zum Verwechseln ähnlich. Und eigentlich könnte man das für ein Manko des Texts halten, für eine fehlende Tiefe und Unterscheidungsmöglichkeit der Charaktere, wäre nicht gerade die unglaublich schöne, poetische Sprache Widmers so bemerkenswert. Es macht keinen Unterschied, ob die Personen sich sehr voneinander unterscheiden oder nicht - es ist nicht wichtig. Denn die Sprache macht auch die schlichten Dinge zu Besonderem, ist der Inbegriff dessen, was sich durch diese \"Liebesnacht\" zieht - die Wiedererzählung von erlebter Liebe. Ein schönes, stilles Buch, das wie ein weltfremdes Traumwandeln daherkommt, das eine unangetastete Idylle zwischenmenschlicher Beziehungen zeigt.

[quote]Ich lernte auch einen Maler aus Stuttgart kennen, der nie deutsch sprach, ein Haus am Rand eines Weilers bewohnte und entsetzliche Bilder malte. Aber wie er lebte, das faszinierte mich. Das heißt, einmal trat ich in den kühlen Raum, in dem er malte, und er hatte eine große Leinwand vor sich und darauf den Akt einer Frau, und das Bild lebte so ungeheuerlich, dass ich sprachlos war. Ich sagte es ihm. Er lächelte, ich glaube, er freute sich wirklich, und am nächsten Tag hatte er den Akt fertiggemalt, jede Kontur des Körpers mit einer schwarzen Linie nachgezogen, und das Bild war tot wie alle zuvor.[/quote]</description><link>http://aufgelesen.org/bibliothek.php?buch=198</link></item><item><title>aufgelesen.org: "Mieses Karma" von David Safier</title><pubDate>Thu, 14 Apr 2011 15:30:04 0</pubDate><description>Kim Lange ist erfolgreiche Fernsehmoderatorin, hat eine bezaubernde, kleine Tochter, einen liebevollen, gut aussehenden Ehemann und ist Gewinnerin des Deutschen Fernsehpreises.
Kim Lange ist erfolgreiche Fernsehmoderatorin, die sich ihren Job mit allerlei Intrigen und Bösartigkeiten beschafft hat; sie hat eine bezaubernde, kleine Tochter, für die sie kaum Zeit hat und deren Geburtstagsfeier sie sausen lässt, weil sie lieber zu einer Preisverleihung geht; sie hat einen liebevollen, gut aussehenden Ehemann, mit dem sie eine Ehe führt, die am Ende ist, und den sie mit dem charmanten Moderator Daniel Kohn betrügt; und sie ist Gewinnerin des Deutschen Fernsehpreises, der ihr nun leider nichts mehr nützt, da sie von den Überresten einer russischen Raumstation erschlagen wurde.
Keine guten Voraussetzungen, wenn man bedenkt, dass nur gute Menschen ins Nirwana gehen dürfen. Fortan fristet Kim also ihr Leben auf Erden als Ameise, um gutes Karma zu sammeln und auf diese Weise nach jedem ihrer Tode als immer \"höheres\" Wesen wiedergeboren zu werden und es irgendwann auch ins Nirwana zu schaffen.

Zu Beginn dieses Romans war ich wahrlich nicht begeistert von dem was ich zu lesen bekam: eine mehr als simple Ausdrucksweise, ähnlich der eines Kinderbuches; null Spannung und eine nicht allzu interessante Geschichte. Auch der Versuch, in jeden zweiten Satz eine witzige Bemerkung oder einen schlagfertigen Spruch einzubauen, ist nicht sonderlich gelungen. Es sind einfach zu viele Witze am Rande, die meistens leider nicht sehr komisch sind. Allenfalls konnte ich mir ein verhaltenes Grinsen abringen.
Je mehr ich jedoch las, je weiter ich voran kam, desto besser wurde es auch. Ich fühlte plötzlich mit den Charakteren mit und fragte mich voller Spannung, wie diese oder jene Situation wohl ausgehen würde. Ich hoffte und ich bangte, dass die Geschichte doch noch ihr gutes Ende nehmen würde. Bei zu vielen Romanen wird man leider enttäuscht, was das gute Ende betrifft. Bei diesem wurden meine Wünsche erfüllt. Natürlich ist es nicht in erster Linie die Aufgabe eines Romans, den Leser zufrieden zu stellen. Dennoch freue ich mich immer wieder über einen Ausgang nach meinen Vorstellungen, so unrealistisch dieser auch sein mag.
David Safiers Humor erzielt, je weiter die Story voranschreitet, dann doch noch den gewünschten Effekt: nämlich den ein oder anderen lauten, herzhaften Lacher.
Eine sehr schöne Idee ist auch, die Erinnerungen Casanovas (dem ebenfalls reinkarnierten Begleiter Kims), in Form von Fußnoten, festzuhalten:

[quote]Und ich dachte bei mir: \"Schon wieder muss ich sterben, weil ein Mensch nicht angemessen auf seine Schritte achtet.\"[/quote]

Das Thema der Wiedergeburt ist sehr anschaulich dargestellt. Mit einigen Bemerkungen am Rande macht uns dieses Buch auf die allgegenwärtige Arroganz der Menschen gegenüber anderem Leben aufmerksam und mahnt uns, Respekt zu haben. Darüber hinaus geht es um die Möglichkeiten und den Ablauf solcher Reinkarnationen, von denen, nebenbei bemerkt, einige Varianten sehr interessant sind und die ich mir auf diese Art und Weise selbst noch nicht ausgemalt habe. Dem Leser wird, sehr clever, gezeigt, wie es einem ergehen kann, wenn man sich zeitlebens eher um persönlichen Erfolg, denn um das Wohlergehen geliebter Menschen kümmert.
Zusammenfassend haben wir hier eine Geschichte vor uns, die ein anspruchsvolles Thema in eine nicht sehr anspruchsvolle, aber interessante, spritzige und vor allem charmante Story einbettet, aus der ein Jeder noch etwas lernen kann.

[i][Rezension von Isa][/i]</description><link>http://aufgelesen.org/bibliothek.php?buch=197</link></item><item><title>aufgelesen.org: "Scherbenpark" von Alina Bronsky</title><pubDate>Tue, 12 Apr 2011 18:17:07 0</pubDate><description>Sascha ist 17, Tochter russischer Einwanderer, kam im Alter von 10 Jahren nach Deutschland und wohnt im \"Solitär\", einem Betonklotz, in dem hauptsächlich Aussiedlerfamilien leben. Vadim, den Sascha töten will, ist ihr Ex-Stiefvater, der, nachdem sich Saschas Mutter nach einer qualvoll langen Zeit endlich von ihm getrennt hatte, die Mutter und deren neuen Freund aus Eifersucht erschoss. Übrig geblieben sind Sascha und ihre jüngeren Geschwister Anton und Alissa, alle drei nun ungewollte Berühmtheiten der Lokalpresse. Als diese einen Artikel über den Mörder Vadim veröffentlicht, in dem er als bereuende, geläuterte Person dargestellt wird, läuft Sascha Sturm. 

[quote]An diesem Morgen bleibt mir das Herz stehen, nur kurz, um schneller wieder anzuspringen und hoch in die Kehle zu rutschen und dort loszuzappeln wie ein Vogel in der Falle. Ich schnappe nach Luft und versuche zu schlucken, um das Herz an seinen rechtmäßigen Ort zurückzudrücken.[/quote]
Über Umwege lernt Sascha den Lokalredakteur Volker und seinen Sohn Felix kennen und zu beiden entwickelt sich, schneller als man vermuten würde, eine seltsam innige Beziehung. 
Die sehr eindringliche Sprache der Protagonistin pendelt im Erzählstil stetig zwischen vollkommener Abgeklärtheit und blinder Wut, dem Verschwinden im \"grauen Nebel\", wie Sascha es nennt. Auch die Handlung wirkt wie ein Drahtseilakt zwischen diesen beiden Polen, zwischen den Abgründen häuslicher Gewalt, Misshandlung und Mord und dem Versuch, dieses zerstörte Leben zu flicken und die schönen und tröstenden Seiten an ihm zu finden. 

[quote]Das ist so eine Art Rätsel, denke ich. Eine Birne, eine Banane, ein Apfel und eine Motorsäge. Welcher Gegenstand passt nicht zu den anderen drei?
So ein grauer Nebel ist eigentlich ganz schön, denke ich. Überhaupt ist Grau eine schöne Farbe. Sie wurde lange unterschätzt und vernachlässigt und hatte einen schlechten Ruf. Aber ich habe vor, mich mit ihr anzufreunden.
[...]
Die Motorsäge ist die richtige Antwort. Sie ist das Einzige im Quartett, das nicht fault.[/quote]
Stets präsent ist in diesem Roman auch der Aspekt des \"Migrationshintergrundes\". Anders als die anderen Kinder und Jugendlichen in ihrem Viertel geht Sascha auf ein privates Gymnasium, das sie wohl wegen ihrer hohen Begabung annahm - oder \"um ein bisschen Integration zu proben\", wie Sascha vermutet. Sie passt sich an, lernt schnell deutsch, ist sehr gut in der Schule und bleibt trotzdem Außenseiterin. Ihre Großtante, die sich nach dem Tod der Mutter rührend um die Kinder kümmert, kann im Gegensatz zu Sascha kaum ein Wort Deutsch und scheint deshalb bei jedem Kontakt mit Fremden vor Angst fast zu zerspringen . 
Bisweilen ist die Schilderung der Menschen im \"Solitär\" recht klischeebehaftet. Auch das gewollt wirkende Zusammentreffen Saschas mit einem schüchternen Neonazi hätte nicht unbedingt sein müssen, wenngleich es auf eine interessante Art gelöst wird. Trotzdem ist \"Scherbenpark\" ein sehr eindrucksvoller Debütroman, der gerade durch seine Sprache, die vordergründig schlicht und einfach wirkt, sehr in die Tiefe von Saschas Psyche abtaucht und diese einfühlsam und glaubwürdig darstellen kann. </description><link>http://aufgelesen.org/bibliothek.php?buch=196</link></item>
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