Oscar Wilde
Die schönsten Märchen
Hoch über der Stadt stand auf einer mächtigen Säule die Statue des glücklichen Prinzen. Sie war über und über mit dünnen Goldblättchen bedeckt, statt der Augen hatte sie zwei glänzende Saphire, und ein großer Rubin leuchtete auf seiner Schwertscheide.
Oscar Wilde schreibt Märchen voller sprechender Tiere und Pflanzen. Da geht es einmal um einen Riesen in einem leeren Garten, den die Jahreszeiten verwüsten, weil der Riese den Kindern den Garten verboten hat. Da geht es um einen Spatz, der einer teuren Statue hilft, den Armen zu helfen, da geht es um einen Zwerg, der das erste Mal einen Spiegel sieht
War es das Echo? Er hatte es einmal im Tal angerufen, und es hatte ihm Wort für Wort geantwortet. Konnte es das Auge narren, wie es die Stimme nachäffte? Konnte es eine Scheinwelt schaffen, geradeso wie die richtige Welt? Konnten die Schatten der Dinge Farbe, Leben und Bewegungen haben? Konnte es sein, dass... ?
und so erschreckt ist von sich, von seiner Hässlichkeit, dass er stirbt. Es gibt ein Märchen von einem Prinzen, der zum König gekrönt wird und ein anderes von einem ausgesetzten Jungen, der in Wirklichkeit ein Prinz ist und in beiden Geschichten sind es erst zwielichtige, fast böse Gestalten, bis irgendetwas, ein Traum oder ein hässliches Gesicht, sie verändert, sie reuen lässt und bessert.
Teilweise waren mir Oscar Wildes Märchen ein wenig zu sehr mit der christlichen Religion angehaucht, mit Jesussymbolen und Gottessegen, manchmal auch etwas arg böse in ihrer Art, etwas arg niederträchtig und dann zu sehr Wandel, zu schneller Wandel von böse zu gut. Da passt dann aber Oscars Wildes letzter Satz in diesem Buch aus "Das Sternenkind" so gar nicht in dieses Schema:
Doch er regierte nicht lange, so groß war sein Leiden gewesen und so schmerzhaft das Feuer seiner Prüfung; drei Jahre später starb er. Und der nach ihm kam, regierte schlecht.
Dennoch ist es ein schönes Buch.
Nur vielleicht nicht gerade für Kleinkinder geeignet.
ISBN 3458340556, dtv 1996, 164 Seiten, broschiert, € 10,00
rezensiert von Diana am 26.08.2008
rezensiert von Diana am 26.08.2008
