Hermann Hesse

Der Steppenwolf


Harry Haller oder der Steppenwolf, wie er sich selbst bezeichnet, hat besonders ein Problem: zwei Seelen wohnen, Ach!, in seiner Brust – eine menschliche und die eines Wolfs. Aber damit wäre noch lange nicht alles gesagt, im Gegenteil: Um den Menschen Harry H. überhaupt verstehen zu können, müssen wir viel tiefer gehen, viel weiter ins Herz seines Lebens vorstoßen.

Als annähernd 50-Jähriger bezieht Harry eine Mansarde im Dachstock einer bürgerlichen Familie. Die Frau des Hauses, eine ältere Dame, schließt den Fremden sofort in ihr Herz, ihr Neffe jedoch ist anfangs etwas skeptisch gegenüber dem neuen Mieter. Schließlich führt der Fremde alles andere als ein geregeltes Leben. Er arbeitet nicht, bleibt oft nächtelang fort und betrinkt sich regelmäßig. Erst nach der plötzlichen Abreise des Harry H. erfährt der Neffe seine ganze Geschichte, denn im Nachlass des Mieters befindet sich ein Manuskript, das Harry während seines Aufenthalts geschrieben hatte. Die Erzählung beginnt hier aber erst richtig, denn man erfährt nach und nach was der Steppenwolf während seiner Zeit bei der Bürgersfamilie getrieben hat, wie er gehadert hat mich sich und dem Leben. Kurz bevor er sich das Leben nehmen will, trifft er Hermine. Sie bringt ihm nicht nur das Tanzen bei, nein sie macht ihn auch mit Pablo und Maria bekannt und führt ihn so zurück ins Leben. Im Magischen Theater lernt er nicht nur sich und seine verschiedenen Persönlichkeiten kennen, er nähert sich auch den Unsterblichen, seinen Ikonen, vor allem Mozart, der ihn sogar mit dem Jazz versöhnt. Am Schluss wird er von ihnen zum Leben verurteilt und er begreift alles.

"Oh, ich begriff alles, begriff Pablo, begriff Mozart ...,ahnte erschütternd den Sinn, war gewillt das Spiel nochmals zu beginnen, seine Qualen nochmals zu kosten, vor seinem Unsinn nochmals zu schaudern, die Hölle meines Innern nochmals zu durchwandern."


Hermann Hesse wurde mit diesem Roman zum Wegweiser für eine ganze Generation, obwohl nicht unumstritten, denn es wird Hesse eine alkohol- und drogenverherrlichende Position vorgeworfen, die aber meiner Meinung nach deutlich übertrieben ist, da Hesse in keinster Weise den Leser dazu verleitet selbst in dieser Richtung tätig zu werden. Vielmehr möchte er, wie auch im Siddharta, die Selbstsuche, die Persönlichkeitsbildung und den Wert des Lebens in den Vordergrund stellen. Aber er stellt sich auch gegen das Bürgerliche und den Krieg, die er beide sehr verabscheut.

Für mich ist der Steppenwolf in vielerlei Hinsicht ein großer Roman. Seine psychoanalytischen Aspekte, die wohl auf Hesses Kontakt zu Carl Gustav Jung zurückzuführen sind und die anti-kriegerische Tendenz machen ihn sowohl für Ältere als auch für die Jugend der heutigen Zeit interessant.
ISBN 3518458558, dtv 2007, 229 Seiten, broschiert, € 6,00
rezensiert von Gernot am 10.07.2008