David Mitchell
Der dreizehnte Monat
Mein Büro bleibt also tabu für euch. So lautet Dads Regel. Aber das Telefon hat schon fünfundzwanzigmal geklingelt. Normale Leute geben nach dem zehnten oder elften Mal auf, außer es geht um Leben und Tod. Oder?
Jason Taylor ist dreizehn Jahre alt, als die dreizehn Monate beginnen, die dieses Buch ausfüllen. Er ist ein in sich gekehrter, stiller Junge ohne wirkliche Freunde in England des Jahres 1982 und hat wahnsinnige Angst davor, für sein Stottern gehänselt zu werden. Deshalb liest er abends im Wörterbuch, damit er "Henker", so nennt er es, wenn er in manchen Situationen bestimmte Wörter einfach nicht aussprechen kann, austricksen kann, mit anderen Wörtern und anderen Satzstellungen.
Dreizehn Kapitel umfasst dieses Buch und sie sind voller abgehackter Ende mit Weiterführungen auf der nächsten Seite, die Dinge übersprungen haben und ja, manchmal stand ich da und fragte mich, was denn jetzt passiert war. Wie Jason mit dieser Situation zurecht kam und das blieb leider bis zum Ende hin meiner eigenen Vorstellung überlassen. Jasons Leben ist das Leben eines 13jährigen in der Provinz und wie eigentlich zu erwarten war, deshalb auch ziemlich langweilig. Es ist das Leben, dass geprägt ist von der Angst, Wörter falsch auszusprechen, zu stottern und so auch das Leben eines eher unterdrückten Menschen, der nie ganz aus sich heraus kommt. Erst am Ende, natürlich erst am Ende, wird das alles etwas aufgebrochen, als seine Eltern sich scheiden lassen und Jason auf dem Weg in eine neue Stadt ist, in ein neues Leben, da ist er plötzlich selbstbewusst, gesteht sich seine Probleme richtig ein und vergisst die Hänseleien der Mitschüler. Er ist plötzlich der Junge, der unter einem anderen Namen Gedichte schreibt und das eingesteht, der Junge, der er sein könnte sieht und das erste Mädchen, dass er küsst quais am nächsten Tag vergisst.
Als wir an der langen Reihe Türen vorbeigingen, musste ich an all die Türen meiner Vergangenheit und meiner Zukunft denken. Die Station, auf der ich geboren wurde, Klassenzimmer, Zelte, Kirchen, Büros, Hotels, Museen, Pflegeheime, das Zimmer, in dem ich sterben werde. (Ob es schon gebaut ist?) Autos sind Zimmer. Wälder auch. Himmel sind Decken. Entfernungen Wände. Gebärmutter sind Zimmer in Müttern. Gräber sind Zimmer aus Erde.
David Mitchell lässt Jason Taylor diese Geschichte erzählen und am Ende möchte er es so aussehen lassen, als würde Jason diese Geschichte wirklich schreiben und das tut er in einer Weise, die vielleicht jugendlich klingen soll, mich aber nicht immer überzeugt hat und besonders die Tatsache einer eigenwilligen kursiven Worthervorhebung hat mich gerade zu Anfang sehr im Lesefluss gestört. Ich gebe zu, dass kursive Wörter eine andere Bedeutung im Satz entwickeln können, aber dennoch war mir es oft regelrecht einfach nur zu aufdringlich, zu "mit der Nase draufstoßen"-mäßig.
ISBN 3498045040, Rowohlt 2007, 496 Seiten, gebunden, € 19,90
rezensiert von Diana am 01.07.2008
rezensiert von Diana am 01.07.2008
