Heinrich Böll

Irisches Tagebuch

Als ich an Bord des Dampfers ging, sah ich, hörte und roch ich, dass ich eine Grenze überschritten hatte.

Das „Irische Tagebuch“ ist kein Tagebuch im klassischen Sinne, es ist viel mehr eine Aneinanderreihung von Momentaufnahmen einer Reise ins Land der 1000 Grüntöne. Aneinanderreihung klingt hier viel zu unbesonders, es werden eher 18 Perlen (so viele Kapitel sind es nämlich) auf einen grünen Faden – Irland – gefädelt. Dabei werden unterschiedliche Orte, Menschen, Zeiten und Beziehungen beleuchtet, sie werden aus Bölls Perspektive einfühlsam und detailliert, dennoch nicht ausufernd oder langweilig, beschrieben.

Bölls Worte legen sich wie anschmiegsame Seide über die Ecken und Kanten der Insel und verleihen diesen einen traumhaften Schimmer, ohne sie jedoch vertuschen zu wollen. Der Ecken und Kanten hat es hier genügend: die Armut der Menschen, ihre Wortkargheit am Morgen, das Trinken am Abend, ihre wirtschaftliche Lage und der Zwang, auswandern zu müssen. Dem berühmten irischen Regen wird ein ganzes Kapitel gewidmet.

Dennoch: Es wurde schon oft von einer Liebeserklärung an Irland gesprochen und auch ich will dieses Wort aufnehmen. Kein Land kann schöner sein, scheint es nach der Lektüre dieses Buchs. Böll schafft es mit seiner Darstellung, Neugierde zu erwecken und es dürfte sich spannend gestalten, den Schimmer der Perlen 50 Jahre später zu überprüfen. Das „Irische Tagebuch“ macht Lust, dieses Land selbst zu entdecken und man ist sich sicher, es nur lieben zu können. Eine Liebeserklärung eben.
ISBN 3423000015, dtv 1961, 137 Seiten, broschiert, € 6,00
rezensiert von Anna K. am 01.04.2008
böll ist ja einer meiner lieblingsautoren, und ich glaube, dieses buch war damals nach "ansichten eines clowns" direkt das zweite, das ich gelesen habe. es ist wunderbar, ich lese immer wieder mal zwischendurch ein paar seiten, wenn ich zur ruhe kommen will oder einfach grad in der stimmung bin, mich irgendwohin treiben zu lassen. ich würde es nie freiwillig weggeben, dazu hänge ich viel zu sehr daran. Kommentar von alex am 22.06.2008