Uwe Timm
Die Entdeckung der Currywurst
Vor gut zwölf Jahren habe ich zum letzten Mal eine Currywurst an der Bude von Frau Brücker gegessen. Die Imbissbude stand auf dem Großneumarkt - ein Platz im Hafenviertel: windig, schmutzig, kopfsteingepflastert.
Eine Lebensgeschichte. Ein Frauenschicksal inmitten des zerborstenen Hamburgs, eine unglückliche Liebe zwischen harten Kartoffeln und braunen Uniformen.
Lena Brücker, Mutter und Ehefrau, verliebt sich und merkt es kaum. Ein junger Marinesoldat ist der Glückliche, ein Deserteur, der am Morgen ihrer gemeinsamen Nacht einfach im Bett liegen bleibt, anstatt in den Krieg zu ziehen; und so die letzten Tage des Krieges in ihrer Wohnung verlebt. Versteckt, immer auf Fußspitzen schleichend und in die Vorratskammer huschend, sobald sich jemand der Wohnung nähert. Als er trotz Lenas Bemühungen erfährt, dass der Krieg tatsächlich zu Ende gegangen ist, ist er eines Tages einfach verschwunden. Alles, was er zurücklässt, ist seine Uniform mit einem Abzeichen.
Mithilfe dieses Abzeichens entdeckt Lena Brücker die Currywurst, als sie bereits Großmutter ist, und macht einen Imbißstand auf. Die Currywurst kursiert um die Welt, aber berühmt macht sie Lena nicht; erst als Lena blind in einem Altersheim einen Pullover für ihren Urenkel strickt, hört sich jemand ihre Geschichte an.
Ein Buch gespickt mit Leidenschaft und Sehnsüchten. Sehnsucht nach Liebe, Sex und vor allem: Frieden. »Die Entdeckung der Currywurst« ist das Porträt einer starken Frau, der das Pech in die Wiege gegossen wurde, die sich aber zu helfen weiß. Uwe Timm hat eine Lebensgeschichte der kleinen Art mit großer Klasse entworfen, und manchmal ist der Leser sich ganz sicher: Diese Geschichte muss wahr sein.
ISBN 3423128399, dtv 2000, 186 Seiten, broschiert, € 8,50
rezensiert von Lena am 07.01.2008
rezensiert von Lena am 07.01.2008
